Der Umgang mit Gefühlen im Yoga

Vorbeugen sind im Yoga besonders dafür geeignet, die Aufmerksamkeit nach Innen zu richten. Die Stellung des Kindes (Foto) wirkt beruhigend und kann uns dabei helfen, auf körperlicher und mentaler Ebene zu entspannen und loszulassen. Gleichzeitig kann diese zusammengefaltete Körperhaltung aber auch sehr herausfordernd sein: In dem Moment, in dem wir unsere Aufmerksamkeit nach Innen richten, nehmen wir unsere Gefühle und Gedanken wahr. Ängste, Zweifel und Sorgen können hervortreten. Manchmal entsteht der Impuls, die Haltung schnell wieder verlassen zu wollen, weil es schmerzhaft sein kann, in Kontakt mit den eigenen Emotionen zu kommen.

Im Alltag ist das nicht anders: Wenn wir Emotionen haben, die wir als unangenehm empfinden, wollen wir diese oft so schnell wie möglich loswerden. Das führt dazu, dass Gefühle von uns verdrängt oder betäubt werden. Oder wir lenken uns schon ab, bevor unangenehme Themen überhaupt erst zum Vorschein kommen. Wenn die Aufmerksamkeit immer nach Außen und nicht nach Innen gerichtet ist, bleiben die Emotionen unverarbeitet und ihre Energie schwingt ununterbrochen mit. Körperliche und mentale Anspannung sind die Folge. So entstehen zum Beispiel durch Stress verursachte Schulter- und Nackenverspannungen, die sich erst lösen, wenn körperliche und mentale Entspannung eintritt.

Besonders ruhige und sanfte Yogastile, wie zum Beispiel Yin Yoga, geben uns den Raum und die Zeit, den Blick nach Innen zu richten. Eine Erfahrung, die zwar herausfordernd, aber sehr heilsam sein kann. Wenn man Gefühle zulässt, wird man merken, dass Gefühle kommen und wieder gehen. Kein Gefühl bleibt für immer. Ich stelle mir Gefühle wie Ebbe und Flut vor.  Wenn ich meine Gefühle annehme, kann ich sie anschließend auch wieder loslassen. Wenn ich meine Gefühle verdränge oder betäube, können sie nicht mehr „abfließen“ und es entsteht Hochwasser.

Wir neigen dazu, uns mit unseren Gefühlen und Gedanken zu identifizieren. Dadurch werden Gefühle und Gedanken oft größer als sie eigentlich sind. Wenn wir während der Yogapraxis die Rolle eines Beobachters einnehmen, gewinnen wir mehr Abstand und können feststellen, dass Empfindungen meist nicht von langer Dauer sind. Benenne dafür alles, was du in dir wahrnimmst: Unruhe, Ungeduld, Anspannung, Emotionen, Müdigkeit, Gedanken usw.. Beobachte auch deinen Körper. Wo spannst du überflüssige Muskeln an? Vielleicht entdeckst du einen Zusammenhang zwischen mentalem und körperlichem Widerstand. Sei offen für jede Beobachtung und versuche sie nicht zu bewerten. Alles, was da ist, darf da sein. Wenn du zum Beispiel Angst empfindest, beobachte die Angst, ohne dich in das Gefühl hineinzusteigern und ohne es loswerden zu wollen.

Sei mitfühlend und geduldig mit dir selber. Wenn du merkst, dass deine Gedanken abschweifen und du wieder mehr im „Außen“ bist, erinnere dich daran, die Aufmerksamkeit sanft zurück zu den Beobachtungen deiner „Innenwelt“ zu richten. Tiefe Atemzüge helfen dir dabei. Wenn Körper und Geist sehr unruhig werden und du die Gefühle als zu intensiv empfindest, kannst du dich mit einem inneren Mantra unterstützen: Sag dir innerlich mit jeder Einatmung „Ich atme ein“, mit jeder Ausatmung „Ich lasse los“. oder „Ich atme ein, ich atme aus“, „ich, bin“.

In der Stellung des Kindes kannst du die Rolle des Beobachters gut üben. Richte dich in der Position so ein, dass du sie über eine längere Zeit halten kannst. Du kannst die Arme entweder nach vorne ausstrecken oder an den Körperseiten vorbei nach hinten ablegen. Wenn du dein Gesäß nicht auf den Fersen ablegen kannst, lege dir ein Kissen oder eine Decke dazwischen. Deine Stirn kannst du entspannt am Boden oder auf einer weichen Unterlage (Kissen, Decke) ablegen.

Let it flow ;)


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