Vorurteile & Faktencheck - Was du über Essstörungen wissen solltest

Eine Essstörung ist eine psychische Krankheit, die oft schon früh im Leben der Betroffenen beginnt und sie lange begleitet.

Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zeigt ca. ein Fünftel der Kinder und Jugendlichen von elf bis 17 Jahren erstmals Symptome von Essstörungen. Trotz der zunehmenden Verbreitung der Krankheit, ist das Wissen über die verschiedenen Formen von Essstörungen gering. Vorurteile führen dazu, dass Betroffene sich häufig missverstanden und nicht ernst genommen fühlen, sich für ihre Krankheit schämen, oder sie sogar selbst nicht wahrhaben wollen. Dadurch steigt die Gefahr, dass an einer Essstörung erkrankte Menschen oft erst spät psychologische Unterstützung suchen und ihre Heilungschancen sinken. Menschen mit Magersucht haben ein 5-fach höheres Risiko zu sterben als Gleichaltrige ohne Erkrankung und auch eine Bulimie (Ess-Brech-Sucht) und eine Binge-Eating-Störung (häufige Essanfälle) sind lebensgefährlich (BZgA).


Ich würde mir wünschen, dass über Essstörungen besser aufgeklärt würde, damit Aussagen wie: Du solltest dich schämen. In anderen Ländern verhungern Menschen, weil sie dort gar kein Essen haben - den Betroffenen in Zukunft erspart blieben. Lehrer, Eltern, Freunde und Kollegen sollten die Anzeichen einer Essstörung frühzeitig erkennen, verstehen können und sehr ernst nehmen. Das würde nicht nur den Betroffenen selbst helfen, sondern auch den Menschen aus deren engeren Umfeld. Familie und Freunde fühlen sich oft durch Hilflosigkeit und Ratlosigkeit stark belastet.


Im Folgenden nenne ich Vorurteile, die sehr verbreitet sind und erkläre kurz, worin das Missverständnis liegt.

Für weiterführende Informationen rund um das Thema Essstörungen empfehle ich folgende Seite: https://www.bzga-essstoerungen.de



Vorurteil: Eine Essstörung ist nur ein "Lifestyle", der aufgrund eines Schönheitswahns gelebt wird.

Faktencheck: Eine Essstörung ist kein Lifestyle, sondern eine Krankheit, die ernst genommen und behandelt werden muss. Betroffene brauchen professionelle Hilfe, um sie zu überwinden. Rund 3-5% der deutschen Gesamtbevölkerung sind von einer Essstörung betroffen (BZgA).


Vorurteil: Eine Essstörung erkennt man daran, dass jemand extrem dünn oder dick ist.

Faktencheck: Eine Essstörung lässt sich nicht nur am Körpergewicht erkennen. Auch Menschen, die normalgewichtig sind, können eine Essstörung haben. Nur weil jemand unter- oder übergewichtig ist, bedeutet das hingegen nicht, dass er zwingend eine Essstörung haben muss.






Vorurteile: Magersucht und Bulimie sind unterschiedliche Begriffe für die gleiche Krankheit.

Faktencheck: Magersucht und Bulimie sind nicht die gleichen Arten von Essstörungen. Eine Magersucht ist meist durch einen Gewichtsverlust aufgrund von streng kontrollierter und reduzierter Nahrungsaufnahme gekennzeichnet. Menschen mit Bulimie leiden unter häufigen Essanfällen und ergreifen Maßnahmen wie z.B. Brechen oder die Einnahme von Abführmitteln, um eine Gewichtszunahme zu verhindern. Beide Essstörungen können aber auch als Mischformen auftreten.


Vorurteil: Magersucht ist ausschließlich eine Teenie-Krankheit.

Faktencheck: Auch Erwachsene können an Magersucht erkranken. Die Gefahr, eine Magersucht zu entwickeln, ist jedoch zwischen 15 und 19 Jahren am größten.


Vorurteil: Wer an einer Essstörung erkrankt ist, muss in eine Klinik, um professionelle Hilfe zu bekommen.

Faktencheck: Es gibt ambulante und stationäre Behandlungen für Essstörungen. Bei der ambulanten Behandlung bleiben die Betroffenen in ihrem gewohnten Umfeld und werden in der Praxis von Therapeuten und Ärzten behandelt. Ob eine ambulante oder stationäre Behandlung sinnvoll ist, kann individuell entschieden werden.


Vorurteil: Essstörungen haben ausschließlich psychologische Ursachen.

Faktencheck: Neben psychologischen Ursachen, können Essstörungen auch biologische Einflussfaktoren haben: Genetische Faktoren, Veränderungen im Bereich der Hormone/Botenstoffe und körperliche Faktoren (z.B. Körpergewicht).


Vorurteil: Männer haben keine Essstörungen.


Faktencheck: Essstörungen treten zwar häufiger bei Mädchen und Frauen auf, doch auch Jungen und Männer sind zunehmend betroffen. Im Fokus der Erkrankung steht bei ihnen oft der Wunsch nach einem durchtrainierten, muskulösen Körper. Exzessive Sporteinheiten und strikte Ernährungsregeln können dazu führen, dass der Umgang mit den Themen Essen, Körper und Sport krankhaft wird.




Vorurteil: Menschen mit Bulimie sind meist sehr dünn, weil sie sich oft nach dem Essen übergeben.

Faktencheck: In der Regel sind Menschen mit einer Bulimie normalgewichtig (sie können auch unter- oder übergewichtig sein).


Vorurteil: Menschen, die unter einer Binge-Eating-Störung leiden, erkennt man daran, dass sie stark übergewichtig sind.

Faktencheck: Auch bei normalgewichtigen Personen kann eine Binge-Eating-Störung vorliegen.


Vorurteil: Grund für eine Binge-Eating-Störung ist Disziplinlosigkeit.

Faktencheck: Essanfälle haben oft emotionale Gründe: Sie dienen dazu, mit negativen Gefühlen wie Ärger, Wut oder Traurigkeit umzugehen.




Vorurteil: Essstörungen sind nur dann lebensbedrohlich, wenn sehr schwere körperliche Schäden entstehen.

Faktencheck: Es stimmt, dass die körperlichen Folgen einer Essstörung lebensbedrohlich sein können. Doch auch die psychischen Folgen sind schwerwiegend: Im Vergleich zur gleichaltrigen Allgemeinbevölkerung ohne Erkrankung, nehmen sich Menschen mit Essstörungen öfters selbst das Leben.


Vorurteile: Menschen, die unter Magersucht leiden, müssen einfach mehr essen, dann sind sie wieder gesund.

Faktencheck: Magersucht ist eine psychische Erkrankung und Betroffene brauchen psychologische Hilfe, um vollständig geheilt zu werden. Rund 40 Prozent der Betroffenen können vollständig geheilt werden (BZgA). Je früher die Essstörung professionell behandelt wird, desto höher sind die Heilungschancen.



Quellen: https://www.bzga-essstoerungen.de